Radfahren auf der Fahrbahn

posted in: ADFC, Propaganda, Recht, VCD

Was die Benutzung von Radwegen angeht, ist weder der aktuelle Wissenstand in der Forschung zur Sicherheit noch die Rechtslage bekannt. Die Bundesverbände des ADFC und VCD – von denen man dies aufgrund ihres Vereinszwecks und ihrer Mittel erwarten könnte – haben bislang in der Aufklärung versagt bzw. es erst gar nicht versucht. Also müssen wir es selbst machen. Mit freundlicher Genehmigung konnte ich für die Erstellung des VGR-Flyers auf die 10 Gebote des sicheren Radfahrens von Bernd Sluka (VCD Kreisverband Passau/Freyung-Grafenau) und auf die etwas anderen Tips zum sicheren Radfahren von Christoph Märcker (ADFC Regionalverband Magdeburg) zurückgreifen.

Wenn Sie welche verteilen wollen, schicke ich Ihnen gerne welche zu.

PDF-Datei des Flyers

Radfahren auf der Fahrbahn

Dieses Faltblatt soll Ihnen helfen, sich als Radfahrer so zu verhalten, dass es der eigenen Sicherheit dienlich ist. Es klärt über die Risiken auf, denen sich Radfahrer auf Sonderwegen aussetzen – Radwege bauen heißt Fallen stellen!

Radfahrer sind Fahrzeugführer

Fahren Sie so, wie Sie beispielsweise auch Auto fahren würden – sicher und kompetent. Das fasst schon fast alles Nachfolgende in einem Satz zusammen. Autofahrer haben die meisten der von Radfahrern genannten Probleme nicht. Sie machen sie sich einfach nicht.

Der Normalfall: Fahrbahn

Viele Gelegenheitsradfahrer und Radwegbenutzer fürchten sich vor dem Radfahren auf der Fahrbahn. Diese Angst ist unberechtigt, denn Radfahren auf der Fahrbahn ist sicherer als auf Radwegen. Gegenüber der Benutzung von Radwegen hat das Fahren auf der Fahrbahn einige Vorteile:

  • Auf der Fahrbahn werden Radfahrer von allen gesehen und wahrgenommen, besonders von anderen Fahrzeugführern, weil deren Aufmerksamkeit auf die Fahrbahn konzentriert ist.
  • Fahrbahnen sind fast immer frei von Hindernissen.
  • Fußgänger geben normalerweise acht, bevor sie Fahrbahnen betreten.

Wichtig: Ausreichender Abstand zum rechten Fahrbahnrand: Halten Sie auf der Fahrbahn einen Mindestabstand von ca. 80cm zum Bordstein bzw. fahren Sie dort, wo die Autos mit ihren rechten Rädern fahren. Sie vermeiden so, dass Autos Sie allzu oft mit sehr geringem Abstand überholen. Ebenfalls wichtig ist ein Abstand von mindestens einen Meter zu parkenden Autos. Dies widerspricht nicht dem Rechtsfahrgebot der StVO.

Die Ausnahme: Radwege

Die einzigen Fahrzeuge, die nicht überall auf der Fahrbahn fahren müssen, sind Fahrräder. Für sie wurden vielerorts Sonderwege eingerichtet, wobei vielen Verkehrsteilnehmern nicht klar ist, wann Radfahrer sie benutzen müssen, wann sie es dürfen und wann sie es nicht dürfen. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) regelt es so: nur Radwege mit begleitender Fahrbahn, die durch eines der folgenden Verkehrszeichen gekennzeichnet sind, müssen benutzt werden:

[Zeichen 237] [Zeichen 240] [Zeichen 241]

Doch auch mit diesen Schildern gibt es Ausnahmen. Falls der Radweg

  • unbenutzbar oder
  • unzumutbar

ist, dürfen bzw. müssen Radfahrer auf der Fahrbahn fahren. Ein Radweg kann bereits unzumutbar sein, wenn man für eine kurze Benutzung des Radweges eine vielbefahrene Straße überqueren muss. Unbenutzbar werden Radwege u.a. durch Hindernisse und zu geringer Breite insbesondere bei starkem Fußgänger- oder Radverkehr.

Meiden Sie Radwege, soweit möglich – und wenn Sie auf ihnen fahren müssen, dann nur mit besonderer Vorsicht.

Verboten: Gehwege

Fahren Sie grundsätzlich nie auf Gehwegen. Sie gefährden damit sich selbst und Fußgänger. Gehwege sind für Radfahrer ebenso gefährlich wie Radwege. Nur Kinder bis zu 10 Jahren dürfen auf Gehwegen fahren. Auch für Radfahrer freigegebene Gehwege sollten Sie möglichst nicht benutzen. Wenn Sie es tun, müssen Sie Rücksicht auf Fußgänger nehmen und entsprechend langsam fahren.

Fahren Sie nach außen offensiv, aber innerlich defensiv

Zum deutlichen Fahren gehört auch, nicht zu schnell zurückzustecken. Wer nach rechts ausweicht, wird noch mehr und mit noch geringerem Abstand überholt. Wer vor Kreuzungen bremst oder zögert, dem wird die Vorfahrt oft genug genommen. Nach außen hin muss Ihr Fahrverhalten bestimmt, offensiv, die Rechte einfordernd wirken.

Gleichzeitig aber rechnen Sie damit, dass das nächste Auto Ihnen die Vorfahrt nimmt oder doch noch überholt. Darauf sind Sie eingestellt. Sie können es durch die eingehaltenen Sicherheitsmaßnahmen (Umschauen, Position auf der Fahrbahn) ausgleichen. Innerlich fahren Sie defensiv.

Keine Minderwertigkeitskomplexe – Sie sind der Verkehr

Sie sind selbst Teil des Verkehrs und haben die gleichen Rechte und Pflichten wie die anderen Verkehrsteilnehmer. Insbesondere ist auch Ihr Anliegen, voran und ans Ziel zu kommen, gleichwertig den Wünschen anderer. Sie müssen nicht vor anderen zurückstecken. Sie behindern mit dem Fahrrad andere genauso viel oder so wenig, wie sie Sie, und weit weniger, als würden Sie durch Autofahren selbst zum Stau beitragen.

Radfahren ist sicher

Bezogen auf die Zeit, die man sich im Straßenverkehr aufhält, ist Radfahren nicht gefährlicher als Autofahren. Und das, obwohl Autofahrer von besonderen Schutzeinrichtungen – wie bspw. kreuzungsfreien Straßen – profitieren, während Radfahrer auf minderwertige Wege geschickt werden. Selbst das Unfallrisiko radfahrender Kinder liegt unter dem für diese Altersgruppe ebenfalls erhöhten Risiko beim Mitfahren im Auto.

Dennoch, Unfälle passieren. Die gefährlichsten Situationen beim Radfahren sind Queren, Wenden, Abbiegen und Einbiegen, die daher eine besondere Aufmerksamkeit erfordern. Am allerhäufigsten sind es Alleinunfälle (Stürze). Wichtig ist deswegen alles, was diese Unfälle verhindert, angefangen von einer guten Fahrbahnbeschaffenheit über den technischen Zustand des Fahrrads bis hin zur Vorsicht in besonderen Situationen (z.B. Straßenglätte). Bei den übrigen Unfällen sind die häufigsten Unfallgegner Fußgänger, Radfahrer und schließlich Autos und Lkw. Bei der Unfallschwere lautet die Reihenfolge genau andersherum.

Dennoch: Radfahren ist die sicherste Art individueller Fortbewegung im Straßenverkehr.

Über den Verein gegen Radwege

Der Verein gegen Radwege (VGR) setzt sich öffentlichkeitswirksam dafür ein, dass Radfahren auf der Fahrbahn in der Gesellschaft wieder als Normalfall betrachtet wird.

Zu einer ehrlichen Verkehrspolitik gehören zunächst zwei Eingeständnisse:

  1. Es ist nicht möglich, das Sicherheitsniveau für Radfahrer gegenüber dem zu erhöhen, das beim Fahren auf der Fahrbahn vorhanden ist.
  2. Wer mehr Sicherheit für Radfahrer möchte, muss die Geschwindigkeit des Kraftverkehrs senken.

Radfahren ist nichtmotorisierter Schnellverkehr. Eine sinnvolle Verkehrspolitik sollte einen Schwerpunkt auf die Beschleunigung des Radverkehrs legen. Verkehrswege, die Radfahrern ein schnelles Vorankommen ermöglichen, bieten gleichzeitig auch mehr Sicherheit, denn die Geschwindigkeit, die man als Radfahrer aus eigener Kraft erreichen kann, stellt für sich genommen kein besonderes Risiko dar – und sie stellt auch kein Umweltproblem und kein Lärmproblem dar. Schnellere Durchschnittsgeschwindigkeiten vergrößern das Gebiet, das sich innerhalb einer bestimmten Zeit erreichen lässt, erheblich und leisten damit einen Beitrag zur Anhebung des Fahrradanteils am Gesamtverkehrsaufkommen.

Web: http://verein-gegen-radwege.de

This entry was posted on 15. Januar 2009 at 17:03 and is filed under ADFC, Propaganda, Recht, VCD. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Comments (2)

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.